Aktuelles 2014

Feinarbeit mit Steuerknüppel

Südkurier, 25.01.2014 von Gudrun Deinzer

Bonndorf – Vorbereitungen für Wasserkraftwerk an Wutach. Spezialverfahren erspart offene Gräben.

»Wer nicht weiß, was hier passiert, bekommt das gar nicht mit«, sagt Georg Vetter, Chef der gleichnamigen Hüfinger Firma und selbst Ewattinger. Und er hat vollkommen Recht. Durch die Uferböschung sieht man lediglich farbiges Arbeitsgerät an der anderen Seite des Flüsschens blitzen. Kein großer Graben, kein ohrenbetäubender Lärm stört die Idylle.

Für das neu entstehende Flusskraftwerk hat Vetter den Auftrag bekommen, für Telefon-, Wasser- und Stromleitungen zu sorgen. Das machen er und seine Angestellten derzeit. In dieser Woche war die Unterquerung der Wutach auf Höhe der Wutachmühle mit Leerrohren angesagt. »Wir machen das umweltverträglich, mit einer gesteuerten Bohrung, die bis zu zweieinhalb Metern unter dem Boden verläuft«, erklärt der Firmenchef. Bis zu 15 Meter tief liegen die Rohre, wenn alles fertig ist, und auf jeden Fall deutlich unter dem Wutachgrund.

Vor einem halben Jahr hat Vetter sich die dafür nötige Spülbohrmaschine angeschafft, mit der man sich auch durch Felsgestein arbeiten kann. Im Umkreis von rund 100 Kilometern ist er damit der einzige Anbieter einer solchen Technik. Auf einer Strecke von rund 170 Metern hat Herbert Frey aus Blumegg einen so genannten Aufweitkopf mit dem Gerät, das eigentlich ausschaut wie ein Spezialbagger, unter der Wutach hindurchgeführt. Seit die Firma die Maschine hat, macht Frey auch solche Arbeiten. »Das ist schon in Ordnung«, sagt der LKW-Mechaniker erst ganz abgeklärt, bis er leicht schmunzelnd zugibt: »Mit Maschinen habe ich halt schon immer gerne gearbeitet.« Sein Arbeitsgerät ist in dem Führerhaus ein Steuerknüppel, den er so lenkt, wie sein Kollege Michael Hübner aus Tannheim ihn dirigiert. Der Straßenbaufachmann wiederum verfolgt den Aufweitkopf, der mit einem Sender ausgestattet ist, oberhalb der Bohrung mit einem Empfänger und gibt Anweisung, wie tief und in welchem Winkel der Kollege den Kopf lenken soll. Das vielleicht aufregendste an der Arbeit ist die Notwendigkeit, mit dem Empfängergerät tatsächlich durch die Wutach hindurch das Bohrendstück zu verfolgen. »Ich bin aber nicht nass geworden, weil ich Fischerstiefel und Hose anhatte«, sagt Michael Hübner aus Tannheim. Froh ist er in diesem Fall über seine Körpergröße von rund 1,90 Meter. An der tiefsten Stelle ist die Wutach hier knapp 1,50 Meter tief.

Voll automatisch schraubt die an den Lenkbagger angedockte Maschine Stück für Stück die entsprechenden Bohrstangenverlängerungen zusammen, bis die Zielgrube jenseits der Kreisstraße, die an dieser Stelle die Wutach überquert, erreicht ist.

In dem gleichen Verfahren wird auch die Straße, die von der Wutach nach Blumberg führt, unterquert, sogar zwei Mal. In den Zwischenstücken sind die Leerrohre bereits im Pflugverfahren durch Wald und Flur geführt worden. Insgesamt haben die Versorgungsleitungen, die Georg Vetter verlegen ließ eine Länge von 1,3 Kilometern. Fast scheint es so, als hätte der Unternehmer auch einen Biber beschäftigt. Wie Markierungen für die richtige Stelle zur Wutachunterquerung hat er am Flussufer seine Arbeit an stattlichen Bäumen verrichtet.

Die Wasserkraftanlage

Das Landratsamt hat im Sommer 2013 der E.watt GmbH die Errichtung einer Wasserkraftanlage mit Klappenwehr, Turbinengebäude, Fischaufstieg und Fischabstieg, Oberwasserkanal und Unterwasserkanal und die dazu gehörige Trafostation an der Wutach bei Ewattingen genehmigt. Dabei verpflichtete sich die Firma, die ökologische Durchgängigkeit der Wutach in einem größeren Streckenabschnitt wieder herzustellen. Fischereiverbände hatten sich zu den Planungen kritisch geäußert.

Quelle: Südkurier